Verabschiedung Nikolai Ott

Evangelisches Bezirkskantorat Leonberg, 2019

Liebe Leonberger,

heute hier, morgen dort, bin kaum da muss ich fort… vielleicht kennen Sie dieses Lied von Hannes Wader noch. Kaum ist man irgendwo angekommen, muss (oder darf?) man weiterziehen. Wie schnell mein Jahr als Kirchenmusiker im Praktikum vergangen ist, wird mir wieder einmal bewusst, wie ich diese Zeilen hier tippe. So wie Hannes Wader kann auch ich sagen: „Hab‘ es selbst so gewählt...“, als Musiker darf man viel unterwegs sein, und wer unterwegs ist, der sieht und hört viel.  Viel habe ich gesehen und gehört in den vergangenen zwölf Monaten und darunter nichts, was mir den Abschied erleichtern könnte. Ich habe in Leonberg viele liebe Menschen kennenlernen dürfen, nicht nur im sozialen Miteinander der Kantorei, des Kammermusikkreises und all den Gruppen in denen ich tätig war, sondern auch im Team der Stadtkirche und der Kirchengemeinde LEO-Nord. Bei meinem Einstieg im Oktober letzten Jahres war ich überrascht und froh über die große Offenheit und das ehrliche Interesse an meiner Person, die mich durch das ganze Jahr spürbar begleitet hat. Einen großen Anteil daran hat Attila Kalman, der mich nie hat spüren lassen, dass ich eigentlich „nur“ Praktikant bin. Für das große Vertrauen und die zwischenmenschliche Wärme bin ich sehr dankbar. Es ist nicht immer leicht, mit jemandem wie Attila Kalman verglichen zu werden, einem Kirchenmusiker, der neben einer ungeheuren Flexibilität, Verlässlichkeit und Fachkenntnis (in allen Bereichen…) auch noch auf viele Jahre Berufserfahrung zurückgreifen kann. Zu sehen, wie er in der einen Woche eine Bruckner-Messe aufführt, in der anderen ein Popmusik-Projekt auf die Beine stellt und dann noch Zeit hat, Gummibärchen und Eis für den Kinderchor zu kaufen, ist imposant. Mehr aber noch als alles Inhaltliche hat mich seine kollegiale und wertschätzende Art wirklich beeindruckt, mit der er mir trotz vieler Unzulänglichkeiten immer begegnet ist. Eine Eigenschaft, die einen guten Mentoren auszeichnet.

ottkleinIn ähnlicher Weise gilt mein Dank auch dem Pfarrteam. An vielen Orten ist das Verhältnis zwischen Kantoren und Theologen nicht das beste, umso mehr war es mir eine Freude zu sehen, wie respektvoll und zielorientiert das Miteinander in Leonberg funktionert. Das ist hoffentlich kein Unicum, aber sicherlich eine wundervolle Bereicherung für unsere kirchliche Arbeit.

Hinter mir liegt nun ein Jahr voller Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Meine größte Angst war (und ist) die Angst vor Routine und Alltag. Ich durfte feststellen, dass man diese Angst nicht haben braucht, wenn man als Kirchenmusiker tätig ist (und schon gar nicht in Leonberg!). So durfte ich viel Zeit mit und vor den Chören verbringen, die Kantorei und den Kammermusikkreis auf Projekte vorbereiten und selbst leiten, die verschiedensten Dinge wie das Popchorprojekt und die Stunden der Kirchenmusik mitorganisieren und auf den Weg bringen, C-Kurs halten, Plakate kleben und den Tag der Orgel mitgestalten. Schön, dass ich da sein durfte, davon kann ich noch eine ganze Weile zehren!

Für mich geht es nun weiter. Heute hier, morgen dort… das „dort“ heißt für mich ab dem 1. Oktober dann Mössingen. Ich bin im März zum Bezirkskantor für den Kirchenbezirk Tübingen Land gewählt worden. Eine Aufgabe, die mich  in den nächsten Jahren sicherlich ganz schön auf Trapp halten wird, aber auf die ich mich nach einem Jahr Leonberg auch ganz gut gewappnet fühle.

Und: man begegnet sich immer zweimal im Leben! Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute, Gottes Segen und dass Sie immer wieder neues an „Ihrer“ Kirchenmusik entdecken können, vor allem, wenn die neue Orgel der Stadtkirche in den nächsten Jahren ganz konkret wird!

Es grüßt Sie herzlich
Nikolai Ott